Die Sakristei

Wenn Sie die Sakristei betreten haben, befinden Sie sich im ältesten Teil unserer Kirche. Schauen Sie sich um: Sie sehen ein einfaches Kreuzrippengewölbe mit einem schlichten blumen­arti­gen Schlussstein. Vielleicht fällt Ihnen das mit einer Eisentür versehene und verschlossene Sakramentsschränkchen in der südlichen Mauer auf oder die Treppenstufen, über die Sie gerade in die Sakristei gekommen sind. Es sind die Stufen einer Wendeltreppe, die hier eine neue Verwendung gefunden haben. Auch früher musste man sparen.

Bei der Vorgängerkirche unserer heutigen Stadtkirche Sankt Veit bildete die Sakristei den östlichen Abschluss als unteren Teil eines Chorturms. Das damalige Kirchenschiff schloss sich nach Westen, also in Richtung des heutigen Schlosses, an. Denken Sie sich die westliche Wand offen, einen Altar in der Mitte oder etwas in Richtung Schloss verschoben und ein wenig tiefer sich anschließendes, eher kleines und düsteres Kirchenschiff, dann haben Sie einen ungefähren Eindruck von der Vorgängerkirche.

Als 1607 die heutige Kirche gebaut wurde, ließ der Baumeister Elias Gunzenhäuser die Öffnung nach Westen zu­mau­ern und versah sie mit dem schlichten gotischen Fenster, das Sie noch heute sehen. Damals wurden wohl auch das im selben Stil gehaltene Fenster nach Norden eingebaut und die jetzt zu­ge­mau­erte Tür, die nach Norden führte, und dem Pfarrer, der im Alten Pfarrhaus, der heutigen Musikschule, wohnte, einen direkten Zugang zur Sakristei ermöglichte.

An der Ostwand der Sakristei sehen Sie eine Tafel mit den Namen der evangelischen Pfarrer Waldenbuchs, die seit der Reformation hier ihren Dienst versahen. Umstritten ist, ob wirklich Veit Engel der erste evangelische Pfarrer Waldenbuchs war und nicht vielmehr Albert Rumetsch, der sich als letzter katholischer Pfarrer in Waldenbuch zur Reformation bekannte und dann in Waldenbuch weiter seinen Dienst versah.

Von Pfarrer Johann Georg Schneck wird erzählt, dass ihm in der Sakristei Unheimliches begegnete, so dass er nicht fähig war, den Gottesdienst rechtzeitig zu beginnen: Das Wimmern eines Kindes und eine gefährliche Schlange habe er wahrgenommen. Und erst als seine Frau einige Tage später in der Wand einen vermoderten Reiterstiefel mit einem Kindergerippe darin fand, den Reiterstiefel verbrennen und das Kindergerippe begraben ließ, verschwand der Spuk. Ottilie Wildermuth erzählt davon in ihrem Buch „Bilder und Geschichten aus Schwaben“.

Siegfried Schulz